Der Alsergrund als Ort der Literatur

 

 

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Davon zeugen neben den zu Weltruhm gelangten Autor(Inn)en eine reiche Landschaft an Buchhandlungen. U. a. haben Heimito von Doderer, Stefan Zweig, Friedrich Torberg und Erich Fried eine Zeit ihres Lebens im Alsergrund verbracht. Im Folgenden eine kurze Darstellung.

Heimito von Doderer (1896—1966)

Wenn die Blätter auf den Stufen liegen herbstlich atmet aus den alten Stiegen
was vor Zeiten über sie gegangen.
Mond darin sich zweie dicht umfangen hielten, leichte Schuh und schwere Tritte, die bemooste Vase in der Mitte
überdauert Jahre zwischen Kriegen.
Viel ist hingesunken uns zur Trauer
und das Schöne zeigt die kleinste Dauer.

Obwohl Heimito von Doderer (1896—1966) heute noch sehr kontrovers diskutiert wird, ist er unbestritten einer der bedeutendsten Erzähler Österreichs. In dem Roman "Die Strudelhofstiege oder Melzer und die Tiefe der Jahre", den er nach der gleichnamigen Stiege in den Liechtensteinstraße benannte, erwies sich Doderer als guter Kenner des Bezirks. In zahlreichen Textpassagen werden Orte am Alsergrund beschrieben. Insbesondere die Stiege wird von ihm stimmungsvoll gezeichnet.

Stefan Zweig (1881-1942)

Stefan Zweig (1881-1942) zählt zu den bekanntesten Absolventen des Wasa-Gymnasiums, obwohl er kein vorbildlicher Schüler war. Anstatt dem Lateinunterricht zu folgen, las er verstohlen Rilke-Gedichte und fehlte des öfteren im Unterricht vor Theaterpremieren, um eine der begehrten Eintrittskarten zu erlangen. In seiner Studienzeit stand Zweig im Mittelpunkt eines Kreises engagierter KünstlerInnen und DenkerInnen, der sich im Café Beethoven in der Universitätsstraße 11 traf. Zweig pflegte u. a. auch Kontakte mit dem in der Berggasse wohnhaften Psychoanalytiker Freud, dessen Erkenntnisse in Zweigs Texten Eingang fanden. Der Autor der bekannten „Schachnovelle“ musste 1938 emigrieren.

Friedrich Torberg (1908-1979)

„Wo ich sitze“, soll Frankreichs Sonnenkönig gesagt haben, „ist die Spitze der Tafel.“ Wo Molnár saß, war das Kaffeehaus, auch dann noch, als es dieses Kaffeehaus in der Wirklichkeit Wiens und Budapests gar nicht mehr gab, auch dort noch, wo es dieses Kaffeehaus niemals gegeben hatte: in New York, dem Ort des letzten Lebensjahrzehnts und dem Ort der letzten Ruhe Franz Molnárs. Es war so viel Kaffeehaus in ihn eingegangen, so viel durchlesene Nachmittage, so viel durchgeschriebene und durchdiskutierte Nächte, dass er vom Kaffeehaus innerlich gebräunt war, wie ein Skilehrer es äußerlich von der Sonne ist. In ihm war er lebendig geblieben, der Virus der geistigen Anregung, der nur in Rauch und Mokkadampf sich züchten ließ.

Für Friedrich Torberg (1908-1979), der in jungen Jahren am Alsergrund wohnte und für zwei Jahre das Wasa-Gymnasium besuchte, war das Kaffeehaus ein Ort der Kommunikation und Geistigkeit. Diese Betrachtung manifestiert sich auch in der einfühlsamen Beschreibung von Franz Molnár im Roman „Tante Jolesch“:

Erich Fried (1921—1988)

Was es ist
Es ist Unsinn sagt die Vernunft
Es ist was es ist sagt die Liebe.
Es ist Unglück sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz sagt die Angst
Es ist aussichtslos sagt die Einsicht
Es ist was es ist sagt die Liebe.
Es ist lächerlich sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich sagt die Erfahrung
Es ist was es ist sagt die Liebe
.

Auch der Schriftsteller und Feuilletonist Erich Fried (1921—1988) war eng mit dem Alsergrund verwoben. Er wohnte bis zu seiner erzwungenen Emigration im Jahre 1938 in diesem Bezirk. Fried besuchte die Volksschule Alserbachstr./Ecke Marktgasse, wo heute eine Gedenkstätte für ihn zu finden ist. 1931 wechselte er in das Bundesgymnasium in der Wasagasse. Auf der 1996 in der Alserbachstraße 7 enthüllten Erich-Fried-Gedenktafel ist das Gedicht „Was es ist“ zu lesen. Es zeugt wie viele andere von der poetischen Kraft der Sprache Frieds, der oftmals zu unrecht auf den politischen Autor reduziert wurde.

Ausgewählte Buchhandlungen:

 

 
Französische Buchhandlung
Bateau Livre

Lichtensteinstr. 37
A-1090 Wien
Tel. 01 / 317 80 94
Die im Studio Molière befindliche französische Buchhandlung bietet Literatur zu unterschiedlichen Themenbereichen für jede/jeden, die/der der französischen Sprache mächtig ist.

Beck’sche Universitätsbuchhandlung Währinger Str. 12 + 41
A-1090 Wien
Tel. 01 / 319 06 23

Die Beck’sche Universitätsbuchhandlung weist ein großes Angebot an wissenschaftlicher Literatur auf.

Buchhandlung Kuppitsch
Alser Str. 4
A-1090 Wien
Tel. 01 / 409 13 11
email

Die im AAKH befindliche gut sortierte Filiale setzt einen Sprachenschwerpunkt. Des öfteren werden in der Buchhandlung auch Lesungen und Vorträge abgehalten.
Leporello
Liechtensteinstr. 17
A-1090 Wien
Tel. 01 / 319 86 12
email
Die Buchhandlung Leporello bietet neben einem interessanten Angebot aus Literatur, Zeitgeschichte und Philosophie eine außergewöhnlich reiche Vielfalt an Theaterliteratur. Als besonderes Schmankerl können auch erlesene Weine erworben werden. Darüber hinaus werden in Leporellos Kellergwölb regelmäßig Lesungen veranstaltet.

Löwenherz & Berg
Bergg. 8
A-1090 Wien
Tel. 01 / 317 29 82
email

Die Buchhandlung Löwenherz bietet eine reiche Auswahl an Schwulen- und Lesbenliteratur und veranstaltet gemeinsam mit dem Café Berg zahlreiche Events.
Südwind Buchwelt
Schwarzspanierstr. 15
1090 Wien
Tel. 01 / 405 44 34
email
Südwind bietet einen umfangreichen Einblick in die Welt außereuropäischer Kulturen mit einer gut sortierten Auswahl an Belletristik, Sachbüchern und Musik. Im integrierten Weltladen können Lebensmittel/Genussmittel sowie Ziergegenstände und Geschenksartikel aus fairem Handel erworben werden.
Yellow Taschenbuchladen
Garnsiong. 7
A-1090 Wien
Tel. 01 / 405 68 57

Im interessant gestalteten Laden wird eine reichhaltige Auswahl an Belletristik und Philosophie angeboten. Darüber hinaus werden Second-Hand-Taschenbücher an- und verkauft.

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